Im Rahmen des Demokratiefestes auf dem Hambacher Schloss stellten sich PEN-Generalsekretär Michael Landgraf und PEN-Autor Thomas Weiß am Sonntag, den 31. Mai 2026, Fragen von SWR-Moderatorin Kerstin Bachtler zum Thema: Welche Aufgaben hat die Literatur in der Demokratie? Thomas Weiß, Herausgeber der Anthologie „Gespräch über Bäume. Gedichte zur Demokratie“, betonte, dass Literatur für ein kulturelles Gedächtnis sorge. Als Beleg trug er das Gedicht „Und es war ein Tag“ von Nora Gomringer vor, das die Schrecken von Auschwitz eindrucksvoll in Erinnerung rufe. Darüber hinaus zeigte er an Beispielen auf, dass Literatur in der Regel einen gesellschaftlichen Kontext habe. Die Besorgnis um die Demokratie werde beispielsweise in Michael Landgrafs Gedicht „Trommlerphantasien“ deutlich. Landgraf trug auch seine „Hambacher Schlossgedanken“ vor, die auf den Ort der Veranstaltung eingehen, den seit Jahren rechtsnationale Kreise und Reichsbürger für sich zu vereinnahmen suchen. Anhand weiterer lyrischer Texte demonstrierte Weiß, wie sehr Literatur auf den Diskurs angelegt sei und zum Nachdenken anrege. Zum Thema der Veranstaltung resümierte Landgraf: „Literatur hat für den Erhalt der Demokratie gleich mehrere Funktionen: Sie ermöglicht einen Perspektivwechsel und weckt Empathie, sie fördert kritisches und reflexives Denken in der Gesellschaft, sie lässt in sprachlos machenden Zeiten sprachfähig werden und durch sie begegnet man Visionen, die zu eigenen Gedankenexperimenten inspirieren.“ Daher sei Literatur „eine wichtige Säule der Demokratie“.
Das dreitägige Demokratiefest in Neustadt an der Weinstraße erinnert im zweijährigen Turnus an das Hambacher Fest von 1832, die erste Großdemonstration für Freiheit, Einheit und Mitbestimmung auf deutschem Boden. Im Rahmen des diesjährigen Festes mit rund 12.000 Teilnehmern wurde der Hambacher Demokratiepreis an den polnischen Bürgerrechtler Adam Bodnar verliehen, die Laudatio hielt Bundespräsident Frank Walter Steinmeier.









