RAPID ACTION NETWORK

Guatemala: José Rubén Zamora Marroquín verurteilt

Vor wenigen Tagen wurde der bekannte guatemaltekische Aufdeckungsjournalist José Rubén Zamora Marroquín zu sechs Jahren Gefängnishaft verurteilt.
Marroquín hatte seit den 1990er Jahren mit seiner Zeitschrift El Periódico zahlreiche Korruptionsfälle an die Öffentlichkeit gebracht und damit einige Rücktritte in der Politik des Landes mitverursacht.
Dafür sahen er und sein Team sich  seit Jahren mit massiven Einschüchterungsversuchen konfrontiert, die von Drohungen und Einbrüchen bis zu Attentatsversuchen reichten.
2022 musste er aufgrund massiven wirtschaftlichen Drucks seine Zeitung schließen. Am 29. Juli 2022 wurde er verhaftet und musste sich einem Gerichtsprozess wegen angeblicher Geldwäsche stellen.

In einem Protestbrief an den guatemaltekischen Botschafter in Berlin Jorge Alfredo Lemcke Arevalo bezeichnete Najem Wali, Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des deutschen PEN, die Inhaftierung Marroquìns als „sowohl einer Nation mit jahrtausendealter Zivilisation als auch einer modernen Demokratie als völlig unangemessen“ und forderte die Einhaltung internationaler Standards in Bezug auf die Meinungsfreiheit, zu denen sich auch Guatemala verpflichtet hat.

BELARUS: Bewegung im Fall Mazkewitsch

Nach Informationen von PEN International scheint seitens der belarusischen Behörden nun Bewegung in den Fall rund um Wladimir Mazkewitsch (Uladzimir Mackievič) zu kommen.

Nachdem er in seiner Zelle bewusstlos zusammengebrochen und ärztlich notversorgt worden war, wurde ihm zu verstehen gegeben, dass sein Verfahren nun tatsächlich in die Wege geleitet werden könnte. Mazkewitsch hat daraufhin seinen Hungerstreik beendet.

Wir haben Grund zur Annahme, dass zumindest dieser Schritt der belarusischen Behörden auch mit der internationalen Bekanntheit seines Falles zu tun hat und bedanken uns bei allen, die ihm oder den Behörden seines Landes Nachrichten geschickt und ihn unterstützt haben.

Wir fordern weiterhin seine bedingungslose und sofortige Freilassung, zumal bis dato mangels Gerichtsverfahrens keine Anklage gegen ihn  erhoben worden ist.

BELARUS: Wladimir Mazkewitsch im Hungerstreik

Wie PEN International berichtet, befindet sich der bekannte Philosoph, Menschenrechtsaktivist und Schriftsteller Wladimir Mazkewitsch (Uladzimir Mackievic) seit 4. Februar in einem Hungerstreik. Seit 15. Februar verweigert er auch die Aufnahme von Flüssigkeit. Er möchte damit bewirken, dass nach sechsmonatiger Untersuchungshaft endlich ein Termin für ein Gerichtsverfahren festgesetzt wird.

Nach einer Razzia in seinem Haus seitens des belarusischen KGB befindet er sich seit dem 4. August 2021 in Haft. Sein Gerichtsverfahren steht noch immer aus. Ihm werden Vorbereitungen von Maßnahmen zur Störung der öffentlichen Ordnung zur Last gelegt.

Mazkewitsch ist seit der Zeit der sowjetischen Perestrojka in Menschenrechtsbelangen aktiv: Er zählt zu den Gründungsmitgliedern der Charta 97, einem in Anspielung an die tschechoslowakische Charta 77 formulierten Manifest zur Wiederherstellung der Demokratie in Belarus, aus dem später die gleichnamige Menschenrechtsorganisation und Nachrichtenplattform entstanden ist.

Weitere Hintergrundinformationen und Möglichkeiten, schriftlich mit ihm bzw. belarusischen Behörden oder Botschaften in Kontakt zu treten, finden Sie hier.

Ein Interview mit ihm mit der Deutschen Welle (in russischer Sprache) können Sie hier nachlesen.

Soulaiman Raissouni

MAROKKO: PEN fordert Freilassung von Soulaiman Raissouni

Im Berufungsverfahren des inhaftierten marokkanischen Investigativjournalisten Soulaiman Raissouni wird in den nächsten Tagen mit einem Urteilsspruch gerechnet.

Raissouni war der Chefredakteur von Akhbar Al Yaoum, der letzten unabhängigen Zeitung des Landes, in deren Leitartikeln er unverhohlen Korruption und Machtmissbrauch im Land aufdeckte. Nach einer gezielten Diffamierungskampagne gegen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Einstellung staatlicher Förderungen musste die Zeitung geschlossen werden.

Raissouni wurde am 20. Mai 2020 wegen angeblicher “unsittlicher Körperverletzung” in Haft genommen und am 9. Juli 2021 wegen des Vorwurfs von “sexueller Nötigung” zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt.

Solange die gegen ihn vorgebrachten Anschuldigungen nicht in einem fairen und transparenten Verfahren rechtmäßig behandelt werden, verlangt PEN seine unverzügliche Freilassung.

Lesen Sie dazu den Hintergrundbericht von PEN International.

Das Rapid Action Network (RAN) wurde vom Writers-in-Prison-Committee des Internationalen PEN im Jahr 1991 ins Leben gerufen.

Der Zweck des Netzwerks ist es, Mitglieder und Unterstützer schnellstmöglich über beunruhigende Entwicklungen bezüglich des Wohlergehens von Schriftstellern und Journalisten rund um den Globus zu informieren und sie dazu ermutigen, unmittelbar zu reagieren.