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FÜR DIE FREIHEIT DES WORTES

Klas Ewert Everwyn (1930-2022)

17.01.2022

Wir trauern um unser langjähriges Mitglied Klas Ewert Everwyn. Lesen Sie hier einen Nachruf von Wulf Noll.

Nun ist er im hohen Alter von fast 92 Jahren am 16.1.2022 in Monheim verstorben, ruhig und friedlich eingeschlafen, der Monheimer und Düsseldorfer Autor, der zu den Widerspenstigen seiner Zunft zählte. Seit den 1990er Jahren gehörte er zum PEN-Zentrum  Deutschland, auch zur Gruppe 61 und zum Verband deutscher Schriftsteller. Mir, der ich gern wissenschaftlich argumentiere, las er humorvoll die Leviten, ohne dass unsere Freundschaft Schaden nahm. Nach meinem Zuzug nach Düsseldorf wurde ich von Everwyn umgehend in sein Projekt „Nahaufnahmen“ und damit in die Autorenwelt der D-Stadt integriert. Die Anthologie kam 1981 als Buch heraus.

Revanchierte mich mit Buchbesprechungen, Klas hat eine Menge Bücher vorgelegt. Bis 1981 war er Beamter im Öffentlichen Dienst, konnte als kreativer Geist aber das verordnete Duckmäusertum nicht ertragen. Als „befreiter Schriftsteller“ blieb Everwyn bis in die letzten Jahre hinein ein lebhafter, streitbarer und origineller Geist. Seine Jugendbücher, mit denen er finanziell erfolgreich war, wurden mit Preisen ausgezeichnet. Gleichwohl arbeitete er als ernster Schriftsteller, der sich gern auf William Faulkner bezog und für soziale sowie historische Themen interessierte.

 Aufsehen erregte Everwyn mit seinem fiktionalen Text „Dormagener Störfall von 1996“, 1983 erschienen. Es wird von einem Chemieunfall erzählt, wie er in anderen Ländern zu einer traurigen Wirklichkeit wurde. Das Chemiewerk in Dormagen verklagte den Autor, war damit aber nicht erfolgreich. 1997 erschien eine Neuausgabe des Buches als „Legende“. ‒ Des Weiteren verfasste Everwyn gut recherchierte historische Romane mit kriminalistischem Tiefgang wie „Deutzer Blut“ (2004) oder – mit familiengeschichtlichem Bezug ‒ „Das Geheimnis der Nicolini“ (2005). ‒ In seiner heiteren Novelle „Die unerfüllten Wünsche des Kurfürsten Johann Wilhelm“ (2008) befasst sich der Autor mit der feudalen Vergangenheit der Stadt. „Ein König wäre er schon gern gewesen, der Kurfürst Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg und Herzog von Jülich und Berg zu Düsseldorf.“ Doch auch Kurfürsten gelingt nicht alles. Der scheinbar Prächtige fühlte sich bei der Königskrone schmachvoll übergangen trotz der familiären Verbindungen zum deutschen Kaiser in Wien und zu den europäischen Königshäusern.

Eine Menge Herzblut investierte Everwyn schließlich in seine dokumentarische Erzählung „Donnerstags bei Fatty. Karfreitag zur Gruppe 61“ (2016). Ein bedeutsamer Rückblick wird hier geboten und das Treffen der Literaten in den frühen 1960er Jahren in der Düsseldorfer Altstadt beschworen, als noch Rolf Bongs, Hans Peter Keller, Dieter Forte, Ingrid Bachér und Rose Ausländer zum Stammtisch im Fatty’s erschienen. Auch Heinrich Böll und Günter Grass schauten mal vorbei

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