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FÜR DIE FREIHEIT DES WORTES

V. l. n. r.: Najem Wali, Margrit Klingler-Clavijo und Victor Pena. Foto: PEN Deutschland

El Salvador zwischen Zensur und Angst – Journalismus im Ausnahmezustand

04.11.2025

Am PEN-Stand auf der Frankfurter Buchmesse fand am 17.10.25 ein aufschlussreiches Gespräch über die Lage der Pressefreiheit in Mittelamerika statt. Unter dem Titel „Geflohen aus El Salvador: Wie steht es dort um die Freiheit des Wortes?“ diskutierten Najem Wali, Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter von PEN Deutschland, und der salvadorianische Fotojournalist Victor Pena unter der Moderation der Journalistin Margrit Klingler-Clavijo.

Zu Beginn erinnerte Klingler-Clavijo an die nicaraguanische Schriftstellerin Gioconda Belli, die 2017 mit dem Hermann-Kesten-Preis ausgezeichnet wurde und inzwischen, wie viele andere Intellektuelle aus der Region, im Exil lebt. Dieses Beispiel leitete über zur aktuellen Situation in El Salvador, wo sich innerhalb weniger Jahre ein autoritäres Regime herausgebildet hat.

Besonders eindrücklich beschrieb Pena das gigantische Hochsicherheitsgefängnis, das Bukele als Symbol seines „Erfolgs“ präsentiert. Hinter den Kulissen, so Pena, würden dort unzählige Menschen gefoltert, viele kämen nicht lebend heraus. Die Regierung nutze das Strafsystem gezielt zur Einschüchterung der Bevölkerung. Mehr als 80.000 Menschen seien inzwischen ohne rechtsstaatliches Verfahren inhaftiert worden.

Der Journalist sprach von einem Verlust der grundlegenden Rechte. Jeder könne auf der Straße festgenommen werden, wenn die Polizei nur den Verdacht habe, er gehöre einer Gang an. Der Staat habe sich von den Prinzipien der Rechtssicherheit verabschiedet und viele Unternehmen, einst kritisch, unterstützten das Regime heute stillschweigend.

Pena berichtete zudem von den wachsenden Repressionen gegen kritische Medien. Redaktionen würden überwacht, Mitarbeiter diffamiert, digitale Angriffe seien an der Tagesordnung. Schließlich habe auch er gemeinsam mit seiner Familie das Land verlassen müssen.

Najem Wali ordnete die politische Entwicklung ein und sprach von Bukele als einem „Chamäleon der Macht“: einem Politiker ohne klare Ideologie, der sich opportunistisch zwischen autoritärem Populismus und neoliberaler Modernisierung bewege. Seine Nähe zu Donald Trump und Abkommen mit den USA zur Aufnahme unerwünschter Migranten erinnerten, so Wali, an Formen moderner Ausbeutung.

Das Gespräch machte deutlich, wie gefährlich die Lage für unabhängige Medien in El Salvador geworden ist. Trotz Repression und Exil bleibt eine kleine Gemeinschaft von Journalistinnen und Journalisten entschlossen, weiterzuarbeiten, getragen von der Überzeugung, dass Öffentlichkeit und Wahrheit auch unter den härtesten Bedingungen nicht verstummen dürfen.

 

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