Wie steht es um die Meinungsfreiheit in Belarus? Welche Rolle spielt die Literatur im Widerstand gegen politische Unterdrückung? Darüber diskutierten Friedensnobelpreisträger Aleś Bialatski, die Präsidentin des PEN Belarus im Exil und Writers-in-Exile-Stipendiatin des PEN Deutschland, Taciana Niadbaj, sowie der Schriftsteller und Menschenrechtsanwalt Maksim Znak am 11. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse. Die Veranstaltung von PEN Deutschland moderierte PEN-Vizepräsidentin und Writers-in-Exile-Beauftragte Astrid Vehstedt. Es dolmetschte Tatsiana Kupra.
„Die jetzige Situation kann man leider nur noch mit sowjetischen Zeiten vergleichen“, sagte Bialatski über die Lage in seinem Heimatland. Für das freie Wort gebe es in Belarus kaum noch Raum. Journalisten, Blogger und Schriftsteller riskierten mit ihrer Arbeit die eigene Freiheit. Wer sich öffentlich kritisch äußere, müsse mit Verfolgung und Haft rechnen.
Bialatski, der 2022 während seiner Inhaftierung mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, sprach über seine Jugend in der Sowjetunion. Damals habe er gemeinsam mit Freunden versucht, verbotene westliche Radiosender zu empfangen. Die wenigen Informationen, die sie auf diesem Weg erreichten, eröffneten ihnen eine andere Welt. Diese Erfahrung habe ihn geprägt. Selbst unter autoritären Bedingungen lasse sich das Streben der Menschen nach freier Meinungsäußerung nicht unterdrücken.
Taciana Niadbaj erinnerte an diejenigen, die weiterhin in belarussischen Gefängnissen sitzen. Nach ihren Angaben befinden sich mindestens 885 Menschen aus politischen Gründen in Haft, darunter 19 Literaturschaffende und mindestens 115 Angehörige des Kulturbereichs. Sie verwies auf die PEN-Tradition des „leeren Stuhls“, der aktuell an den inhaftierten Schriftsteller Vaclau Areshka erinnert.
Wie sich die Haft auf das Schreiben auswirkt, beschrieb Maksim Znak anhand seiner eigenen Erfahrungen. Der Jurist und Schriftsteller verbrachte rund fünf Jahre in belarussischer Gefangenschaft. In dieser Zeit entstanden literarische Texte, die inzwischen auch auf Deutsch vorliegen. Da ihm zunächst nur ein Heft mit 96 Blättern zur Verfügung stand, beschränkte er jede Geschichte auf höchstens zwei Seiten. Aus dieser Einschränkung entsprang sein eigener literarischer Stil.
Auch Bialatski sprach über die wachsende Bedeutung der Gefängnisliteratur in Belarus. Immer mehr ehemalige politische Gefangene schreiben über das, was sie erlebt haben. Für ihn ist diese Entwicklung ein wichtiger Bestandteil der belarussischen Gegenwartsliteratur.
Zum Abschluss warnte Niadbaj vor der Verdrängung unabhängiger kultureller Ausdrucksformen durch staatliche Propaganda. Bialatski bedankte sich ausdrücklich dafür, dass das Gespräch auf Belarussisch stattfinden konnte, ein passender Schlusspunkt einer Veranstaltung über die Freiheit des Wortes.










