Über die politische Lage im Iran, den Widerstand gegen das Regime und die Verantwortung westlicher Staaten sprach der iranische Schriftsteller und ehemalige Elsbeth-Wolffheim-Stipendiat Pezhman Golchin am PEN-Stand auf der Frankfurter Buchmesse. Das Gespräch am PEN-Stand moderierte PEN-Vizepräsidentin Astrid Vehstedt. Es übersetzte Marzieh Nasiri.
Mit dem Bild einer „gläsernen Kammer“ beschrieb Golchin die Situation vieler Exiliraner: Obwohl sie in Freiheit lebten, erreichten ihre Erfahrungen und politischen Forderungen die westliche Öffentlichkeit nur unzureichend. Er kritisierte insbesondere die Berichterstattung westlicher Medien, denen er vorwarf, bestimmte Positionen der iranischen Opposition auszublenden.
Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die anhaltende staatliche Repression und die jüngsten Protestbewegungen im Iran. Trotz massiver Gewalt hätten die Menschen ihren Widerstand nicht aufgegeben. Golchin widersprach der Einschätzung, die Opposition sei zu zersplittert, um einen politischen Wandel herbeizuführen. Er verwies auf die breite Unterstützung für Reza Pahlavi, den Sohn des 1979 gestürzten Schahs.
Zugleich betonte Golchin das Selbstbestimmungsrecht der iranischen Bevölkerung. Obwohl er selbst eine demokratische Republik befürworte, müsse die Entscheidung über die künftige Staatsform allein bei den Menschen im Iran liegen. Ob Republik oder konstitutionelle Monarchie, entscheidend sei, dass die Bevölkerung frei darüber abstimmen könne.
Das iranische Herrschaftssystem bezeichnete Golchin als religiös begründeten Totalitarismus, dessen Fortbestand nicht allein von einzelnen Führungspersönlichkeiten abhänge. Entsprechend könne auch deren Absetzung keinen grundlegenden politischen Wandel garantieren. Scharfe Kritik übte er zudem an westlichen Staaten, deren wirtschaftliche Interessen seiner Ansicht nach häufig schwerer wögen als die Menschenrechte.
Zum Abschluss richtete sich der Blick auf mögliche Perspektiven für den Iran. Trotz jahrzehntelanger Unterdrückung hätten die Menschen ihre Hoffnung auf Freiheit nicht verloren, erklärte Golchin. Voraussetzung für eine Veränderung sei jedoch, dass ihre Stimmen international Gehör fänden und ihr Recht auf politische Selbstbestimmung anerkannt werde.
Das Gespräch zeigte, wie wichtig öffentliche Foren für verfolgte und exilierte Schriftsteller sind, um ihre Erfahrungen und politischen Positionen unmittelbar vermitteln zu können.










