Als die Taliban im August 2021 Kabul einnahmen, war Maryam Kishawarz 17 Jahre alt. Heute lebt die afghanische Schriftstellerin als Elsbeth-Wolffheim-Stipendiatin der Wissenschaftsstadt Darmstadt und des PEN Deutschland in Deutschland. Auf der Frankfurter Buchmesse sprach sie mit PEN-Vizepräsidentin Astrid Vehstedt am Stand des Hessischen Literaturrats über die Unterdrückung in ihrer Heimat, ihren Weg ins Exil und die Bedeutung des Schreibens.
„Ich dachte, wir haben keine Zukunft mehr“, erinnerte sich Maryam Kishawarz an die Machtübernahme der Taliban. Die Bilder vom Flughafen Kabul, an dem Tausende Menschen verzweifelt versuchten, das Land zu verlassen, haben sich ihr eingeprägt.
Im Gespräch schilderte die heute 22-Jährige die Lebensbedingungen unter den Taliban. Frauen und Mädchen seien weitgehend vom öffentlichen Leben und von Bildung ausgeschlossen. Doch auch Männer, die sich gegen die Machthaber stellten oder für Frauenrechte einsetzten, müssten mit Repressionen rechnen. Viele Väter wollten ihren Töchtern eine Ausbildung ermöglichen, könnten aber nichts gegen die Verbote ausrichten.
Bereits als Jugendliche begann Kishawarz zu schreiben. Während der Corona-Pandemie verfasste sie einen Ratgeber mit 56 Tipps für ein glücklicheres Leben. Ihr Ziel sei gewesen, wenigstens einem Menschen mit ihren Texten zu helfen. Als ihr eine Leserin später berichtete, das Buch habe ihr Leben verändert, habe sie das darin bestärkt, weiterzuschreiben.
Nach der Machtübernahme entschloss sie sich, Afghanistan zu verlassen. Mit Unterstützung ihres Vaters gelangte sie außer Landes, wo sie Kontakt zum PEN Deutschland aufnahm. Über das Writers-in-Exile-Programm kam sie schließlich nach Deutschland. Die deutsche Sprache hatte sie sich zuvor überwiegend selbst durch Online-Kurse beigebracht.
Das Gespräch machte deutlich, wie eng für die junge Schriftstellerin persönliche Erfahrungen und literarisches Schaffen miteinander verbunden sind. Während Kishawarz in Deutschland ihre Arbeit fortsetzen kann, bleibt diese Freiheit vielen Frauen in Afghanistan weiterhin verwehrt.










