Yamen Hussein

Der syrische Dichter und Journalist Yamen Hussein wurde 1984 in Homs geboren. Er verfasste zahlreiche regimekritische Artikel, durch die er schon früh ins Visier der syrischen Sicherheitsbehörden geriet. Immer wieder kritisierte er in seinen Artikeln die restriktiven und manipulativen Eingriffe des Staates in Publikations- und Pressefreiheit und protestierte wiederholt gegen die Missachtung der Menschenrechte während des Bürgerkriegs. Bereits 2006, gerade 22 Jahre alt, mockierte er sich öffentlich über das sektenähnliche System an der Universität von Homs und beschuldigte die Regierung der Teilhabe an dem diskriminierenden System, was dazu führte, dass er der Universität verwiesen und für drei Monate in Gewahrsam genommen wurde. 2008 wurde er aufgrund seiner Berichterstattung über die Repressionen der Regierung gegen die Medien verhaftet. Bald hatte er sich unter den mutigen investigativen Journalisten einen Namen über Homs hinaus gemacht. Er wurde leitender Reporter bei Al Dunia TV und berichtete 2011 vor Ort von der Protestbewegung aus Homs und Hama. Doch unter Druck begann der Sender damit, gezielte Falschmeldungen über die Bewegung zu lancieren, da reichte Hussein die Kündigung ein. Kurz darauf vertrieben ihn die Anhänger Assads aus seiner Wohnung in Al Zahra bei Homs. Die Hetze gegen ihn nahm immer bedrohlichere Züge an. Er begann unter Pseudonym zu publizieren, seine Rolle als Gründungsmitglied des „Nabd Bündnis für die Jugend Syriens“, einer friedlichen Protestbewegung, die durch mediale Berichterstattung ihren Widerstand zum Ausdruck brachte, machte ihn aber zur öffentlichen Figur. Er schrieb jetzt wieder unter seinem Namen. Nachdem Hussein 2013 die islamistische Gruppe Jeish Al Islam in einem Artikel angriff, kamen die Drohungen, ihn zu ermorden, aus zwei Richtungen: dem religiös fundamentalistischen Lager sowie aus Kreisen der staatlichen Behörden. Diesen permanenten Morddrohungen fühlte sich Yamen Hussein irgendwann nicht mehr gewachsen, er flüchtete in die Türkei. Von Dezember 2014 bis Dezember 2017 lebte Yamen Hussein als Stipendiat des Writers-in-Exile Programms in München. Seine Flucht von Syrien über Libanon und die Türkei bis nach Deutschland verarbeitete Hussein in einem in Kürze erscheinenden Lyrikband (Arbeitstitel „3439 km“), die Gedichte verfasste er in Damaskus, Beirut, Istanbul und München. Die Produktion wurde ermöglicht durch das Culture Resource’s Production Awards Programm. 2017 erschienen mehrere Gedichte Husseins in der PEN-Anthologie Zuflucht in Deutschland. Texte verfolgter Autoren im S. Fischer Verlag.

Foto: Roland Baege

Foto: privat

Khalil Rostamkhani

Khalil Rostamkhani wurde 1953 im Iran geboren. Bereits mit 16 Jahren nahm er an Protesten gegen das Schah-Regime teil. 1972 verließ er den Iran und ging nach Großbritannien, um dort zunächst Mathematik, Physik und Persisch sowie später Sozialwissenschaften zu studieren. In dieser Zeit engagierte er sich in der CISNU, dem stärksten iranischen Studentenverband, der große Solidaritätskampagnen für den Iran organisierte. 1979 kehrte er aus dem Exil zurück – getragen von der Hoffnung auf eine demokratische Wende. 1980 gründete er als Herausgeber den englischsprachigen Nachrichtendienst Akhbaar Ruz und eröffnete ein paar Jahre später gemeinsam mit seiner Frau Roshanak Daryoush ein Übersetzungsbüro. Als renommierter Übersetzer, Journalist und Publizist war er Herausgeber des Iran Yearbook. Als er in den 90er Jahren das erste Mal im Gefängnis saß, übersetzte er Titel von Isabel Allende, Vladimir Nabokov und André Gide. Im Februar 2000 war er in Teheran für die Heinrich-Böll-Stiftung als Organisator und Übersetzer beteiligt an der Vorbereitung der Konferenz „Iran nach den Wahlen 2000“, die im April 2000 in Berlin stattfand. Kurz nach der Konferenz wurde Khalil Rostamkhani in Teheran verhaftet unter dem Vorwurf, seine Konferenzvorbereitung sei anti-islamisch und gegen die Interessen des iranischen Staates gerichtet. Die Strafe fiel mit acht Jahren so hoch aus, weil man ihm Theomachie, „Kampf gegen Gott“, vorwarf. Während dieser Gefängniszeit entstanden die Gedichte der Sammlung Poetry behind Bars, die im Internet in der Online-Zeitung www.iranian.com veröffentlicht wurden. Khalil Rostamkhani ist Ehrenmitglied des kanadischen und des US-amerikanischen PEN. Von Januar 2006 bis Juli 2009 war Khalil Rostamkhani Stipendiat im Writers-in-Exile Programm des PEN. Heute lebt er in Berlin und München und arbeitet als Übersetzer, ist Herausgeber politischer Anthologien in Iran und Afghanistan. Er war 2012 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Mitherausgeber des zweisprachigen englisch-persischen Lexikons A Handbook of Transitional Justice – A to Z.

Foto: privat

Najet Adouani

Die tunesische Dichterin, Schriftstellerin und Journalistin Najet Adouani ist eine kritische Autorin, die sich für Freiheit, Frieden und die Rechte von Frauen einsetzt. Sie wurde 1956 im Süden Tunesiens geboren und begann bereits als Kind zu schreiben. Frühe Erfahrungen mit der Gewalt des totalitären tunesischen Regimes prägten sie und politisierten ihre Arbeit. Sie studierte Journalismus und schrieb während ihres Studiums für verschiedene oppositionelle Zeitungen. Ihre journalistische Arbeit brachte sie immer wieder in Schwierigkeiten und führte dazu, dass sie auf die „schwarze Liste“ gesetzt wurde. Auch nach der tunesischen Revolution kämpfte sie weiter für Meinungsfreiheit und die Rechte von Frauen, schrieb für verschiedene Zeitungen und ein Radiomagazin. Sie wurde wiederholt bedroht und gezwungen, ihre Arbeit für das Radio einzustellen. Sie durfte nicht mehr veröffentlichen und musste all ihre schriftstellerischen Tätigkeiten aufgeben. Trotzdem wurden Adouani und ihre Familie weiterhin unter Druck gesetzt. Im Oktober 2012 floh sie deshalb ins Exil nach Deutschland, musste allerdings ihre drei erwachsenen Söhne zurücklassen. Sie fand zunächst Aufnahme im Friedl-Dicker-Stipendium des Vereins Weimar – Stadt der Zuflucht e.V.. Von April 2013 bis März 2016 war sie Stipendiatin des Writers-in-Exile Programms des PEN-Zentrums Deutschland. Adouani veröffentlichte sechs Lyrikbände und eine Sammlung von Kurzgeschichten auf Arabisch, weitere 15 Manuskripte warten auf eine Veröffentlichung. Ihre Gedichte wurden ins Englische, Französische, Spanische und Hindi übersetzt. Sie nahm an zahlreichen arabischen und internationalen Lyrikfestivals teil und ist seit 1982 Mitglied der tunesischen Schriftstellervereinigung. 2010 gewann sie den Feminine Poetry Prize. Fünf ihrer Gedichte erschienen in der vom PEN-Zentrum herausgegebenen Anthologie Fremde Heimat – Texte aus dem Exil erstmals in deutscher Übersetzung. Ihre Gedichte setzen sich auf sehr persönliche Weise mit Trauer, Verlust und Gewalterfahrungen auseinander. 2015 erschien mit Meerwüste (Lotos Werkstatt) ein deutsch-arabischer Lyrikband Adouanis in Berlin. 2017 wurden mehrere ihrer Gedichte in der PEN-Anthologie Zuflucht in Deutschland. Texte verfolgter Autoren im S. Fischer Verlag veröffentlicht. Seit 2018 ist Adouani PEN-Mitglied.

„Mit den Flügeln
eines Schmetterlings,
der im Inneren verbrennt,
haben sie mich gefesselt.
Auf der Straße der Freiheit
hinter meinem Spiegelbild
verschanzt,
spiele ich meine Niederlagen
einer Frau zu,
die meine Tränen hasst.
Einer Frau,
die meine Zähmung erlebte,
sah,
wie man mich umprogrammiert hat,
damit ich den Regeln entspreche,
wie man mich dressiert hat,
damit ich meinem Ich entgleite,
mich selber breche,
um
anzunehmen das Gesicht meiner Bändiger,
mich zu verwandeln,
hinter ihrer Maske
sie zu werden
und mir selbst entgegenzutreten. […]“

Aus: Fremde Heimat. Texte aus dem Exil, hrsg. von Christa Schuenke und Brigitte Struzyk

Zhou Qing

Zhou Qing wurde 1964 in Xian in der Provinz Shaanxi geboren. Er ist Journalist, Sachbuchautor und politischer Berichterstatter, außerdem Spezialist für Oral History. 1989 wurde er wegen Beteiligung an der Demokratiebewegung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Weil er sich weigerte, ein Geständnis abzulegen und außerdem einen Fluchtversuch wagte, wurde die Strafe um weitere acht Monate verlängert. Zhou Qing ist Herausgeber der Zeitschrift Oral Museum  und ehemaliger Redaktionsleiter der wöchentlich in China erscheinenden Zeitung Legends & Stories. Sein Buch What Kind of God: A Survey of the Current Safety of China’s Food (Wovon soll sich unser Volk in Zukunft ernähren – Skandale um Lebensmittel) erschien in über zehn Ländern, u.a. in Deutschland, Italien, Japan und wurde zum internationalen Bestseller. Für dieses Buch erhielt er 2006 den Lettre Ulysses Award for the Art of Reportage. 2007 erhielt er von der Australian International Scholar Foundation eine Auszeichnung für die beste politische Reportage. Er ist Mitglied der Chinesischen Gesellschaft für Studien der Volksliteratur und Kunst sowie des Unabhängigen Chinesischen PEN-Zentrums; von letzterem erhielt er 2009 einen Preis für die Freiheit des Schreibens. Zhou Qing befasste sich u.a. mit sozialen Brennpunkten in China, so z.B. in seinen Büchern Krisen des GesundheitswesensExil im Heimatland  und in einer Sammlung von Interviews mit Drogenabhängigen. Nach einem Jahr Stipendium im Heinrich-Böll-Haus war Zhou Qing von September 2009 bis August 2012 Stipendiat im Writers-in-Exile Programm des deutschen PEN-Zentrums. Im Münchener Exil beschäftigte er sich vor allem mit der Lage der Wanderarbeiter und mit der Todesstrafe in seiner Heimat. Mittlerweile lebt er in Berlin und arbeitet an einem neuen Dokumentarfilm über das „anti-hoodlum-movement“ (1983), eine künstlerisch-soziale Bewegung aus Xi’an/China.

Foto: privat

Liu Dejun

Der chinesische Blogger und Menschenrechtsaktivist Liu Dejun wurde 1976 in der Provinz Hu Bei in China geboren. Nach dem Studium an einer Polizeiuniversität arbeitete er einige Jahre als Pädagoge in einem Gefängnis. Über westliche Radiosendungen erfuhr er von chinesischen Menschenrechtsaktivisten und ihren Problemen, was ihn gleichermaßen beeindruckte und bestürzte. Im Jahr 2000 quittierte er den Dienst und ging nach Peking, um sich mit anderen Dissidenten und Menschenrechtsverteidigern zusammenzuschließen. Im Jahr 2003 begann er in der Arbeiterstadt Guangdong Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren, während er selbst in einer der großen Fabriken arbeitete. Fünf Monate später wurde ihm gekündigt. Man warf ihm vor, die in seiner Arbeitsstätte tätigen Wanderarbeiter über ihre Arbeitsrechte aufzuklären. Er wurde mehrfach verwarnt und verhaftet. Im Jahr 2007 gründete er eine NRO mit dem Ziel, Wanderarbeiter durch rechtliche Schulungen vor Willkür und Ausbeutung zu schützen. Erneut wurde er kurzzeitig verhaftet. Nach seiner Freilassung stand er jenen bei, deren Häuser für Großprojekte illegal abgerissen wurden, die fliehen mussten und sich nicht zu helfen wussten. 2010 kam er wieder ins Gefängnis, wurde misshandelt und anschließend in einem Vorort von Peking ausgesetzt. Seine Geschichte wurde von dem Künstler Ai Weiwei eindrucksvoll verfilmt. Misshandlung durch die Polizei und Willkür bei Verfolgung und Verhaftung blieben die Themenschwerpunkte in seinen Blogs. Auf seinen Aufruf hin, dem arabischen Frühling auch in China zu folgen, wurde er erneut verhaftet und misshandelt, seine Blogs berichteten davon. Immer mehr Freunde verschwanden, seine Familie wurde vernommen und drangsaliert. Dank der Organisation „Frontline Defenders“ konnte er 2013 an einem Englischkurs in Irland teilnehmen. Von November 2013 bis November 2016 war er Stipendiat im Writers in Exile-Programm des deutschen PEN-Zentrums in Nürnberg. Im Februar 2014 wurde Lius chinesisches Blog zensiert und gelöscht, seitdem berichtet er auf der neu eingerichteten Internetseite www.freeinchina.org über Menschenrechtsverletzungen in seiner Heimat, u.a. auch auf Deutsch. Liu Dejun studierte ab dem Wintersemester 2015 Politikwissenschaft und Öffentliches Recht an der Universität Erlangen. Seit dem Sommersemester 2017 studiert er an der Universität in Erlangen Rechtswissenschaften mit dem Ziel, das Rechtssystem in China zu reformieren. Ein Text von Liu erschien 2017 in der PEN-Anthologie Zuflucht in Deutschland. Texte verfolgter Autoren im S. Fischer Verlag.

Foto: Simone Ahrend

Sanath Balasooriya

Sanath Balasooriya wurde 1970 in Sri Lanka geboren. Spätestens im Jahr 1991, als er Redakteur des Daily Lankadeepa, einer Tageszeitung in singhalesischer Sprache, wurde, begann sein Leben als Journalist. In den 20 darauf folgenden Jahren machte er viele Erfahrungen u.a. als Redakteur und Mitherausgeber des Sunday Lankadeepa und als Redakteur und Lektor der Dinamina. Sein Studium der Mass Communication and Writership schloss Sanath Balasooriya 1999 an der Universität Jayewardenepura als einer der Besten seines Jahrganges ab. Sechs Jahre nach Abschluss seines Studiums übernahm er den Vorsitz der Dinamina und wurde Mitherausgeber. 2005 wurde er zum Präsidenten der Sri Lanka Working Journalists Association gewählt, der größten journalistischen Organisation Sri Lankas. 2007 wurde er wiedergewählt und im selben Jahr zum Mitglied des Vorstands des Sri Lanka Press Institute ernannt. Zusammen mit anderen Journalisten ging Sanath Balasooriya mit zahlreichen Protesten gegen die Verletzung der Rechte von Journalisten an die Öffentlichkeit. Einer der entscheidenden Proteste, die er organisierte, richtete sich gegen den Übergriff der Behörden Sri Lankas auf eine Redaktion. Darauf folgten mehrere Morddrohungen, weshalb er sich zunächst im Landesinneren verstecken musste. Nachdem er 2009 sein Heimatland verlassen und nach Südindien fliehen musste, wurde er als Gast der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte nach Deutschland eingeladen, wo er bis Dezember 2010 am Programm der Stiftung teilnahm. Er war von Januar 2011 bis Ende Dezember 2013 Elsbeth-Wolffheim-Stipendiat der Stadt Darmstadt. Er arbeitet weiterhin als Journalist, Autor und Übersetzer und lebt mit seiner Frau Devika Wadigamangawa in Darmstadt. Im März 2017 erscheint ein Text von ihm in der PEN-Anthologie Zuflucht in Deutschland. Texte verfolgter Autoren (S. Fischer).

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Sergej Lebedew

Sergej Lebedew wurde 1981 in Moskau als Kind zweier Geologen geboren. Durch seine Teilnahme an geologischen Expeditionen seit seinem vierzehnten Lebensjahr sah Sergej Lebedew bereits in jungen Jahren auch abgelegene Orte Russlands, wie die nordrussischen Gulags, die in den 60er Jahren aufgegeben worden waren. Lebedew arbeitete nach dem Studium der Geologie als Journalist mit besonderem Interesse an historischen und bildungspolitischen Inhalten. Die Zeitung The First September, für die Sergej Lebedew schrieb, wurde anlässlich des Ukrainekonflikts verboten. Er wurde auf dem Weg von Sankt Petersburg nach Deutschland am Zoll festgehalten, was dafür spricht, dass er aufgrund seiner Publikationen zur aktuellen Lage in Russland auf der „schwarzen Liste“ des Kulturministeriums steht. Gegenstand seiner drei bisher veröffentlichten Romane ist die russische Vergangenheit, insbesondere die Stalin-Zeit mit ihren Folgen für das moderne Russland. Lebedew erzählt seine Romane aus dem Blickwinkel seiner eigenen Familiengeschichte. Seine Romane erscheinen auf Englisch, Tschechisch, Französisch, Italienisch und Deutsch. Lebedew schreibt auch Gedichte, die auf Deutsch in der Neuen Rundschau 2013, Heft 4, vorgestellt wurden. In deutscher Sprache wurden die Romane Der Himmel auf ihren Schultern (2013) und Menschen im August (2015) im S. Fischer Verlag veröffentlicht. Sein dritter Roman, der noch nicht auf Deutsch vorliegt, trägt in wörtlicher Übersetzung den Titel Das Jahr des Kometen (englische Ausgabe: The Year of the Comet, 2013). Von Oktober 2016 bis März 2017 war er als Stipendiat in Graz/Österreich. Im Anschluss daran war er bis Juni 2017 Stipendiat im Writers-in-Exile Programm des PEN-Zentrums Deutschland. Lebedew schreibt Gastbeiträge für verschiedene Zeitungen (Süddeutsche ZeitungZEIT online, Kulturaustausch).

Foto: James Hill.

Mehmet Selim Çürükkaya

Mehmet Selim Çürükkaya wurde 1954 in einem Dorf unweit der anatolischen Stadt Bingöl geboren. Bis 1978 studierte er in Tunceli Pädagogik. Schon an der Hochschule engagierte er sich politisch und gehörte zu den Mitbegründern der Gruppierung Revolutionäre von Kurdistan, die später unter dem Namen PKK bekannt wurde. 1980 wurde er verhaftet und von einem Militärgericht zu 28 Jahren Haft verurteilt. Während er im Gefängnis von Diyarbakir einsaß, verfasste er einen umfangreichen Roman und ein Theaterstück. Nach seiner Freilassung 1991 flüchtete er nach Damaskus, wo er mit Abdullah Öcalan zusammentraf. Schon bald distanzierte er sich von den Machtstrukturen, die dieser innerhalb der PKK aufgebaut hatte, und geriet dadurch zwischen alle Fronten. Seine Ideen zur Reform der kurdischen Bewegung legte er in einem Buch nieder, dessen Originaltitel wörtlich übersetzt Die Verse von Apo lautet und mit dem er sich zum erklärten Feind der PKK machte. Er floh nach Beirut, doch auch dort fühlte er sich bedroht. Mit Unterstützung des deutschen PEN, der IG Medien, des UN-Sekretärs für den Libanon und des Roten Kreuzes gelang es ihm schließlich 1993, gemeinsam mit seiner Ehefrau Aysel nach Deutschland auszureisen. Hier begegnete er Günter Wallraff, der ihm half, sein Buch 1997 unter dem Titel PKK – Die Diktatur des Abdullah Öcalan im Verlag S. Fischer in Frankfurt am Main auf Deutsch herauszubringen. Von September 1999 bis August 2002 war Mehmet Selim Çürükkaya im Writers-in-Exile Programm des PEN. Heute ist er deutscher Staatsbürger und lebt mit seiner Familie in Hamburg. Von hier aus publiziert er weiterhin in der Türkei, unter anderem Romane und Essays. Außerdem drehte er den kurdischen Dokumentarfilm We Strane Beje (Sing das Lied). Sein Buch O Türküyü Söyle wurde unter dem Namen Sing that Song auf Englisch veröffentlicht. Bis heute ist seine Reisefreiheit eingeschränkt, so konnte er 2012 nicht nach Tunesien einreisen, da sein Name auf einer „schwarzen Liste“ der türkischen Regierung stand. 2014 erfuhr Çürükkaya, dass seit 1999 ein immer noch gültiger Haftbefehl gegen ihn existiert, wonach er im Namen der PKK europaweite Organisationen gegründet, Veranstaltungen gegen den türkischen Staat organisiert, gewaltsam Geld eingetrieben und Propaganda gemacht haben soll.

Foto: privat

Amer Matar

Der syrische Journalist und Menschenrechtsaktivist Amer Matar wurde 1987 in Rakka geboren und studierte Journalistik in Damaskus. Er ist einer der Mitbegründer der Organisation Al-Schari (Die Straße), die sich für freiheitliche Medien und Entwicklung einsetzt. Al-Schari begann bereits 2010 den Aufstand, der sich in Syrien formierte, anhand von Fernsehinterviews, Berichten und Dokumentationen aus dem Landesinneren filmisch zu dokumentieren. Ausgestrahlt wurden die Sendungen auf Al-JazeeraAl-Arabiya und France24. Seit 2002 war er für zahlreiche syrische sowie arabische Zeitungen journalistisch tätig. Er verfasste Artikel für das Feuilleton der in Syrien verbotenen libanesischen Zeitung Annahar und war kultureller Berichterstatter für die Zeitung Al-Hayat in Damaskus. Dabei interessierte er sich für den Zusammenhang von Kunst und der aufständischen Bewegung in Syrien, die er als friedliche Revolution bezeichnete. Der im Rahmen von Al-Schari entstandene Dokumentarfilm Azadi (2011), der die täglichen Ereignisse des syrischen Aufstands in kurdischen Gebieten im Norden Syriens begleitet, wurde auf dem Filmfestival Rotterdam ausgezeichnet. Als Ko-Direktor war Amer Matar an der Dokumentation Smuggling 23 Minutes of Revolution beteiligt. Außerdem engagierte er sich als Organisator des Straßenfestivals, das anlässlich des ersten Jahrestags des Aufstands in Syrien gefeiert wurde. 2011 wurde er wegen seiner journalistischen Arbeiten zweimal vom syrischen Geheimdienst festgenommen, verhört und gefoltert. Ihm wurde vorgeworfen, falsche Nachrichten zu verbreiten und damit die Moral der Nation anzugreifen. 2012 konnte er mithilfe der Heinrich-Böll-Stiftung aus Syrien fliehen. Von Oktober 2012 bis September 2015 war er Writers-in-Exile-Stipendiat des PEN. In seinen Texten setzt er sich mit den jüngsten Ereignissen in Syrien auseinander und reflektiert auf emotionale Weise seine Rolle als Exil-Journalist. In deutscher Übersetzung erschienen seine Texte in den Anthologien Syrien. Der schwierige Weg in die Freiheit (2012) und 2013 in Fremde Heimat. Texte aus dem Exil. Weiterhin wurde 2016 die Anthologie Weg sein – hier sein. Texte aus Deutschland mit einem Beitrag von ihm veröffentlicht. Im März 2017 erschien eines seiner Gedichte in der PEN-Anthologie Zuflucht in Deutschland. Texte verfolgter Autoren im S. Fischer Verlag. Seit Jahren wirkt Amer Matar mit Al-Schari am „Syria Mobile Phone Festival“ mit, außerdem hat er die Online-Kampagne Where are the Kidnapped by ISIS initiiert, um auf die Entführungen von Zivilisten durch die Terrorgruppe Islamischer Staat aufmerksam zu machen.

Foto: Simone Ahrend

Hamid Skif

Hamid Skif wurde 1951 in der algerischen Hafenstadt Oran als Mohamed Benmebkhout geboren. Nach einem Stipendiumaufenthalt im Heinrich-Böll-Haus in Langenbroich von 1995-1996 lebte er 1997 für ein Jahr als  Gast der Hamburger Stiftung für Verfolgte in der Hansestadt. Später war er der erste Stipendiat im Writers-in-Exile Programm und bewohnte von Juli 1999 bis Dezember 2005 das Hamburger Stipendiatendomizil des PEN. Als er seine Heimat verließ, tat er es, weil er dort buchstäblich um sein Leben bangen musste. Was ihn gefährdete, waren indes weder seine Prosaarbeiten noch seine Poesie. Er arbeitete zunächst als Journalist, schrieb über die Folter in algerischen Gefängnissen, geriet Anfang der 70er Jahre selbst in Haft und setzte, kaum freigelassen, seine unvoreingenommene, keiner Selbstzensur unterworfene kritische Berichterstattung im Sinne der Menschenrechte fort. Fünfzehn Jahre schrieb er für eine Presseagentur, gründete dann eine eigene Wochenzeitung mit dem Titel Perspectives, verantwortete als Generalsekretär die Tätigkeit der algerischen Journalistenvereinigung und beobachtete für die Liga der Journalisten des Maghreb den Stand der Meinungsfreiheit. Dies trug ihm Mordanschläge ein und brachte auch seine Frau und die vier Kinder in Lebensgefahr. Als Fundamentalisten Bombenanschläge auf sein Haus und seine Redaktion verübten, musste er aus Algerien flüchten. Mit Hilfe von Freunden konnte er sich und seine Familie nach Hamburg retten. Inzwischen erschienen zahlreiche literarische Arbeiten von ihm, Erzählungen, Romane, Gedichte. In deutscher Übersetzung kam zuletzt 2007 im Nautilus-Verlag Hamid Skifs Roman Geografie der Angst heraus, der mit dem Prix de l’association des écrivains de langue française ausgezeichnet wurde. Hamid Skif war Mitbegründer des Vereins Alifma, der sich für die interkulturelle Verständigung zwischen Nordafrika und Deutschland einsetzt. Nach seinem Ausscheiden aus dem Writers-in-Exile Programm blieb er in Hamburg, wo er am 18. März 2011 nach schwerer Krankheit verstarb.

Foto: Christoph Piecha