Narrenfreiheit ist Meinungsfreiheit
Darmstadt, 9.4.26. Wir erklären uns solidarisch mit dem Düsseldorfer Satiriker und Wagenbauer Jacques Tilly, der von einem Moskauer Gericht für seine Kritik an Präsident Putin zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt wurde. Mit einem Verfahren, das jeglicher Rechtsstaatlichkeit entbehrt, soll ein Kritiker eingeschüchtert werden.
Dass eine Diktatur versucht, auf die Ausübung der Meinungsfreiheit in Deutschland Einfluss zu nehmen, indem sie dafür im Fall des Falles drakonische Maßnahmen in Aussicht stellt, wäre selbst Anlass zu Satire, muss aber leider ernst genommen werden, da es einen Angriff auf einen Grundpfeiler der Demokratie darstellt. Jacques Tilly soll damit zum Präzedenzfall werden, der als Warnung an alle Künstler verstanden werden muss, die sich in Zukunft kritisch mit dem russischen Regime auseinandersetzen.
Jacques Tilly ist nicht der erste, der aufgrund seiner satirischen Kommentierung des Zeitgeschehens unter Druck gesetzt wird. Denken wir nur an die Mohammed-Karikaturen, die Anlass für einen mörderischen Überfall auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo waren, aber auch an Fälle wie Jan Böhmermann, der nach seinem Schmähgedicht über Erdogan gut daran tut, die Türkei zu meiden. Der Narr alias Satiriker ist seit Jahrhunderten derjenige, der den Mächtigen die Meinung sagen darf, ja geradezu muss, damit die gesellschaftliche Ordnung im Gleichgewicht bleibt. Die Freiheit des Narren ist unser aller Freiheit. Der PEN steht seit seiner Gründung dafür, die freie Meinung überall dort zu verteidigen, wo wir es können, und mit den Mitteln, die uns als Autoren dafür zur Verfügung stehen. Satire ist nur eines davon, und wie es die Reaktionen von Despoten immer wieder zeigen, ein sehr mächtiges.
Margit Hähner
Sprecherin der PEN-Regionalgruppe Rheinland




